„Unterricht ist aller Übel Anfang“
Impulse aus der Sommerakademie an der Alemannenschule Wutöschingen
Was brauchen Schüler:innen, damit sie selbstständig und eigenverantwortlich lernen können?
Mit dieser Frage beschäftigte sich unsere Kollegin Claudia Krettenauer während der von SoulTeachers organisierten zweitägigen Sommerakademie am 5. und 6. September 2026 an der Alemannenschule Wutöschingen (ASW).
Eine Schule ohne Unterricht
„Unterricht ist aller Übel Anfang.“ Mit dieser provokanten Aussage stellt Stefan Ruppaner, ehemaliger Schulleiter der ASW, unser traditionelles Verständnis von Schule infrage. Unter seiner Leitung entwickelte sich die ehemalige Hauptschule über viele Jahre zu einer Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe, die ohne klassischen Unterricht auskommt. Stattdessen prägen selbstorganisiertes Lernen, individuelle Lernbegleitung und Lernen durch Erleben den Schulalltag.
Dahinter steht ein grundlegender Perspektivwechsel: Schule wird konsequent von den Lernenden aus gedacht. Dafür hat die ASW drei zentrale Bereiche neu gestaltet: Zeit, Raum und Expertise. Starre Unterrichtstakte weichen individuellen Lernrhythmen. Unterschiedliche Lernräume ermöglichen konzentriertes Arbeiten ebenso wie Austausch und Zusammenarbeit. Und Wissen wird nicht mehr ausschließlich durch Lehrkräfte vermittelt. Auch Mitschüler:innen, digitale Lernmaterialien und weitere Lernangebote werden zu wichtigen Wissensquellen.
Die Voraussetzung dafür ist eine veränderte pädagogische Haltung. Lehrer werden zu Lernbegleiter:innen, die den Schüler:innen Vertrauen entgegenbringen, ihnen Orientierung und Sicherheit geben und sie dabei unterstützen, Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess zu übernehmen. Die daraus entwickelte Schmetterlingspädagogik verbindet strukturierten Kompetenzaufbau mit sinnorientiertem Lernen durch Erleben.
Eine Schule, die man erleben muss
Obwohl Claudia Krettenauer die ASW bereits aus zahlreichen Reportagen kannte, hinterließ der Besuch vor Ort einen ganz besonderen Eindruck. Klassische Klassenräume gibt es hier nicht mehr. Stattdessen prägen wohnlich gestaltete Lernateliers, warme Holzelemente und vielfältige Lernbereiche die Schule. Die unmittelbare Wirkung dieser Räume und die besondere Atmosphäre muss man live erlebt haben. Noch nachhaltiger wirkte jedoch die Haltung, die hinter dem Schulkonzept steht. Während der Sommerakademie wurde deutlich, wie konsequent an der ASW die Perspektive der Lernenden eingenommen wird. Nicht die Frage, wie Unterricht organisiert werden kann, sondern die Frage, was der einzelne Mensch zum Lernen braucht, steht im Mittelpunkt.
Impulse für unsere Schulentwicklung
Auch am JCSBK sind bereits unterschiedliche Elemente etabliert, die selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen fördern: die tägliche Lernzeitstunde, der Schülerorganizer und individuelle Lerncoachinggespräche. In vielen Fächern unterstützen Kannlisten und Punktekonten die Lernprozesse. Im Mathematikunterricht wird darüber hinaus ein Konzept zum selbstregulierten Lernen umgesetzt. Der Besuch der ASW bot Claudia Krettenauer die Gelegenheit, diese bestehenden Ansätze aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Besonders bestärkt wurde sie darin, Lernen noch konsequenter durch die Brille der Schüler:innen zu betrachten und gemeinsam mit anderen nach Möglichkeiten zu suchen, unsere Lernkultur weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht darum, das Modell der ASW zu kopieren. Vielmehr zeigen die beiden Tage in Wutöschingen, wie viel Veränderung möglich ist, wenn Schule konsequent von den Schüler:innen aus gedacht wird. Die Sommerakademie hat nicht nur zahlreiche Denkanstöße geliefert, sondern auch den Mut gestärkt, eigene Wege zu gehen und die Weiterentwicklung unserer Schule aktiv mitzugestalten.
Mehr Infos zur ASW unter https://asw-wutoeschingen.de


















