Mit der Neubesetzung der Stelle scheint die Eigenständigkeit der Einrichtung gesichert

Foto Urkundenübergabe
Warburg. Der Neue sei ein „alter Bekannter", bemerkte Kreisdirektor Klaus Schumacher bei der Vorstellung im Lehrerzimmer: Vor den 51 Lehrern des Johann-Conrad-Schlaun-Berufskollegs erhielt am Montag, 30.09.2019, Matthias Gehle als neuer Leiter des Warburger Kollegs die Ernennungsurkunde zum Oberstudiendirektor. Er wird am heutigen Dienstag seine neue Stelle im Direktorenzimmer antreten.

 

Der 55-jährige gebürtige Peckelsheimer saß einst selbst als Schüler in den Klassenräumen am Stiepenweg. Nach dem Abitur 1983 absolvierte er ein Studium zum Diplom-Handelslehrer und war viele Jahre lang in verschiedenen Verlagshäusern in leitenden Positionen tätig.

2002 wechselte er als Lehrer an das Berufskolleg in Warburg, das in Trägerschaft des Kreises Höxter steht, und vertrat die Fächer Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsinformatik. 2012 war Gehle zunächst kommissarisch und dann auch offiziell zum stellvertretenden Leiter des Kollegs ernannt worden. Im August 2018 wechselte er nach Paderborn. Am Ludwig-Erhard-Berufskolleg übernahm er in der Domstadt kommissarisch die Leitung. Gehle wohnt in Kassel, ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

Neues Konzept in Arbeit

„Diese Entwicklung war nicht absehbar", hielt Helmut Zumbrock, leitender Regierungsschuldirektor der Bezirksregierung Detmold, bei der Übergabe der Urkunde fest. Denn im Februar 2016 hatte der Höxteraner Kreistag der Fusion der drei Berufskollegs in Trägerschaft des Kreises zugestimmt. Hintergrund waren sinkende Schülerzahlen. Zum Schuljahr 2017/2018 fusionierten Brakel und Höxter zum Berufskolleg Kreis Höxter. Die Warburger Einrichtung sollte spätestens 2020 folgen. Mit der Ernennung eines neuen Schulleiters bleibt die Warburger Berufsschule jetzt eigenständig.

Kollegleiter Josef Hilkenbach hatte sich im Januar mit dem Wunsch der Neubesetzung von seinem Schulleiterposten verabschiedet. Doch aktuell ist es eine politische Entscheidung, „die noch offen ist", informierte Zumbrock. Wie die berufliche Bildung im Kreis in die Zukunft geführt wird, darüber wird diskutiert. Derzeit gibt es mit dem Berufskolleg Kreis Höxter mit den beiden Standorten in Bakel und Höxter als sogenannte „Bündelschule" und dem Warburger Kolleg zwei Einrichtungen.

Stabilisierung der Berufsbildung

Doch eine Stabilisierung der Berufsbildung liegt in Sicht. Da könnte das „Dortmunder Model" zu einer Chance für den Kreis werden. Die Idee: ein Regionales Berufsbildungszentrum. Diesem Modell, als Projekt vom NRW-Bildungsministerium angeregt, war im Ausschuss für Bildung, Sport, Kultur und Kreisentwicklung bei seiner September-Sitzung vorgestellt und diskutiert worden.

Noch warten die Verantwortlichen im Kreis auf die Förderrichtlinien des Schulversuchs, die vom Land erarbeitet werden. Daher lagen dem Ausschuss keine detaillierte Infos über die Rahmenbedingungen vor, die die eigenständigen Berufsschulen im Kreisgebiet zusammenbringen sollen. Kreisverwaltung und Berufskolleg-Leitungen sollen sich mit den Rahmenbedingungen des Vorhabens Regionales Bildungszentrum auseinandersetzen und nach der Einsicht ins Förderprogramm einen entsprechenden Antrag erarbeiten. Dann kann über das neue Konzept im Kreistag entschieden werden.

Warburger Standort für die berufliche Bildung im Kreis gesichert

Als Bildungszentrum werden die drei Berufsschulstandorte im Kreis gemeinsame Handlungsfelder abstimmen. Die Selbstständigkeit der einzelnen Schulen bleibt erhalten. Dass das Modell trägt, darin zeigt sich der Kreis zuversichtlich. Mit dieser neuen Struktur werde der Warburger Standort für die berufliche Bildung im Kreis gesichert, hielt Schumacher fest. „Ich denke, dass es gelingen wird", bestätigte Dezernent Zumbrock.

Vom Schulträger gratulierte der Kreisdirektor dem neuen Leiter der Warburger Berufsschule zum Amt. Gehle kenne „die Verhältnisse vor Ort". Schumacher wertete dies als Glücksfall. Beide, Zumbrock und Schumacher, bedankten sich gleichzeitig bei Christina Schäfers, die als stellvertretende Schulleiterin seit Februar das Kolleg mit seinen rund 760 Schülern kommissarisch geführt hatte.

(Neue Westfälische vom 01.10.2019, Dieter Scholz)